Liebe KollegInnen, liebe InteressentInnen,
vom 22.-25.09.2011 findet an der Freien Universität Berlin der 4. Kongress der
Deutschen Gesellschaft für Körperpsychotherapie statt. Wir haben bekannte
VertreterInnen der Körperpsychotherapie zum Thema: „Körper – Gruppe
– Gesellschaft. Neue Entwicklungen in der Körperpsychotherapie“ eingeladen.
Während 2007 unser 3. DGK-Kongress das Individuum, sein Denken, Fühlen
und seine Selbstregulation aus körperpsychotherapeutischer Sicht in den
Mittelpunkt gestellt hat, wollen wir 2011 den Menschen mit seiner
körperlichen und psychischen Einmaligkeit als Bewegungsmoment der
Gruppe, als Teil der Gemeinschaft und in seiner Stellung in unserer
Gesellschaft zum Thema machen.
In einer narzisstischen Kultur wird der Körper zwar zunehmend durch Schönheitswahn
oder „bodyshaping“ fetischisiert, doch werden seine psychosomatischen Signale, wie
Schmerzen, Druck, Übererregung und Unwohlsein noch zu wenig ernst genommen.
Daher werden wir uns auch mit der Rolle des Körpers in Kultur und Gesellschaft
und der Rolle der Körperpsychotherapie in der Gesellschaft auseinandersetzen.
Das Rahmenthema „Körper – Gruppe – Gesellschaft“ hat auch mit den über 20 Jahren
zu tun, die seit der deutschen Einheit 1989 vergangen sind. In diesen Jahren hat sich
die psychotherapeutische Landschaft in Ost und West verändert. In Ostdeutschland
spielte die Psychotherapie aufgrund der politischen Unterdrückung von
mündigen Bürgern allgemein eine quantitativ geringere Rolle als im Westen.
Psychotherapie war offiziell weitgehend Gruppentherapie. Doch bildeten für viele
Menschen Psychotherapiegruppen die oft einzige Nische, in der man laut über seine
Gefühle reden konnte, ein einmaliger Ort von Offenheit und Verständnis.
Auch gab es Gruppen, in denen abseits der offiziellen Gruppenpsychotherapie
Körperpsychotherapie studiert und praktiziert wurde.
Im Westen dominierte in der offiziellen Versorgung zwar die Einzelpsychotherapie.
Doch besaß die Körperpsychotherapie in der Gruppe eine besondere Anziehungskraft
neben der Mainstream-Psychotherapie. Nachdem sich die politischen Hoffnungen der
68er zerstreut hatten, waren Therapie- und Encountergruppen Orte, an denen die Idee
einer inneren Befreiung inszeniert und weiterverfolgt wurde. Körperpsychotherapie
begann im Westen in den 70er Jahren als Gruppentherapie.
Im stationären Bereich spielte die Gruppenpsychotherapie ohnehin immer eine wichtige
Rolle. In West und Ost entwickelten sich dabei ähnliche Ansätze, verbale und
körperbezogene Psychotherapie miteinander zu verbinden, auf
der einen Seite vor allem durch die Konzentrative Bewegungstherapie, auf der anderen
durch die Kommunikative Bewegungstherapie. Diese beiden Schulen haben in den
letzten 20 Jahren mehr zueinander gefunden, sich respektieren und schätzen gelernt
und wechselseitig ihre Erfahrungen aufgegriffen.
Vor einiger Zeit wurde im Rahmen der von den Krankenkassen finanzierten
Psychotherapie die Gruppenpsychotherapie in Deutschland aufgewertet. Seitdem
hat ihre Verbreitung im ambulanten Bereich zugenommen. Die Körperpsychotherapie
steht hier vor der Herausforderung, wie sie sich heute im Feld der
Gruppenpsychotherapie positioniert. Neben unserem Rahmenthema möchten wir
neuere Entwicklungen in der Theorie und Behandlungspraxis der Körperpsychotherapie
vorstellen und uns auch mit der Entwicklung einer körperorientierten Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie beschäftigen. Wir werden für den kollegialen Austausch
über alle Fragen unseres Faches Raum geben. Wir freuen uns darauf, wenn
Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Traditionen und Erfahrungen
heraus ihr Wissen in unseren Kongress einbringen.
Es dürfte also spannend werden, gleichzeitig unsere Wurzeln und die Moderne unserer
Gesellschaft in Berlin zu beleuchten und zu erkennen und – als fachliche Enkel von
Wilhelm Reich – über unseren Platz heute zu sprechen. Wir freuen uns auf einen
spannenden Kongress und auf Euch im spätsommerlichen Berlin.
Kongresskomitee der DGK:
Dr. Manfred Thielen (Vors. der DGK),
Dagmar Rellensmann (2. Vors.), Dr. Ralf Vogt (Vorstand),
Bettina Schroeter, Prof. Dr. Ulfried Geuter,
Dr. Angela von Arnim, Ilse Schmidt-Zimmermann,
Gustl Marlock
Die Deadline für den Frühbucherrabatt wurde
bis zum 15.07.2011 verlängert.